Es war ein Besuch mit Symbolwert – und mit einem Einsatz mittendrin: Als Bayerns Innenstaatssekretär, Sandro Kirchner (CSU), den Standort des Rettungshubschraubers Christoph 18 in Ochsenfurt auf Einladung seines Landtagskollegen Björn Jungbauer (CSU) besuchte, musste die Crew die Präsentation kurzerhand unterbrechen. Die Funkmelder gingen, Alarm – ein schwerer Verkehrsunfall. Christoph 18 hob innerhalb kürzester Zeit ab, um Leben zu retten. Eindrucksvoller hätte man den Wert der Luftrettung für die Region Mainfranken kaum demonstrieren können.
Im Mittelpunkt des Termins stand die bevorstehende Erweiterung der sogenannten Tages-Randzeiten: Künftig soll Christoph 18 unabhängig von Sonnenauf- oder -untergang im Winter von ca. 7:00 bis 20:15 Uhr und im Sommer von ca. 7:00 bis 21:45 Uhr einsatzbereit sein, eine Ausweitung von bis zu 900 zusätzlichen Vorhaltestunden im Jahr. Bislang endeten die Flugzeiten mit Einbruch der Dämmerung. Ermöglicht wird die Ausdehnung durch den Einsatz spezieller Nachtsichtgeräte sowie moderner Hinderniserkennungssysteme – Technologien, die intensive Zusatzausbildungen für die gesamten Besatzungen erfordern.
Diese Maßnahme wurde vom Innenministerium nach einem INM-Gutachten für die Standorte Bayreuth, Ochsenfurt, Ingolstadt, Kempten und Suben beschlossen und schafft die Voraussetzungen dafür, auch in den Abendstunden schnelle Hilfe leisten zu können und Transportzeiten in geeignete Kliniken weiter zu verkürzen – ein entscheidender Vorteil bei zeitkritischen Notfällen. Daneben sind in Bayern auch weiterhin drei Intensivtransporthubschrauber rund um die Uhr im Einsatz.
Staatssekretär Kirchner machte die Dringlichkeit der Maßnahme deutlich: „Die Bedeutung der Luftrettung nimmt immer mehr zu – auch weil die Krankenhausdichte abnimmt." Transportwege in die nächste Spezialklinik würden länger, die Notfallversorgung aus der Luft damit unverzichtbarer. „Mit der Randzeitenerweiterung kann man viel auffangen", so Kirchner. Gleichzeitig forderte er, dass die Luftrettung künftig keiner starren Budgetierung unterliegen dürfe: Den anfallenden Mehrkosten stehe ein weit höherer gesellschaftlicher Nutzen gegenüber.
Julian Weiss von der gemeinnützigen ADAC Luftrettung unterstrich die Notwendigkeit der Weiterentwicklung: „Um der wachsenden Bedeutung der Luftrettung gerecht zu werden, muss sich auch die Rolle der Luftrettung weiterentwickeln." Die enge Zusammenarbeit mit allen Kooperationspartnern sei dabei unabdingbar. Die ADAC Luftrettung setzt Nachtsichtbrillen bereits seit 2011 erfolgreich ein – zunächst für Verlegungsflüge zwischen Kliniken, mittlerweile aber auch regelhaft für Primäreinsätze in unbeleuchtetem Gelände.
Solide Finanzierung als Voraussetzung für eine nachhaltige Luftrettung
Insgesamt steht die Luftrettung bundesweit vor großen finanziellen Herausforderungen. Die aktuell diskutierten Regelungen im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes drohen, die Finanzierung des Rettungsdienstes strukturell zu schwächen und gefährden die Existenz der gemeinnützigen Luftrettungsorganisationen, die die schnelle notfallmedizinische Hilfe aus der Luft in Deutschland maßgeblich mitaufgebaut haben. Insbesondere die vorgesehene Begrenzung der Vergütungsentwicklung würde die realen Kostensteigerungen dauerhaft nicht mehr abbilden. „Eine leistungsfähige Luftrettung braucht eine solide Finanzierung. Leistungssteigerungen und Versorgungsverbesserungen brauchen Planungssicherheit“, so die gemeinsame Bewertung.
Vor diesem Hintergrund besteht Einigkeit, dass die medizinische Notfallrettung als Teil der kritischen Daseinsvorsorge einen besonderen Stellenwert einnimmt. Daher braucht es auf Bundesebene dringend eine tragfähige Lösung – etwa in Form eines Ausnahmetatbestands für den Rettungsdienst, um eine bedarfsgerechte Finanzierung langfristig sicherzustellen.
Landkreis und Kommunalpolitik zeigen sich begeistert
Stimmkreisabgeordneter Björn Jungbauer (CSU) ergänzte: „Wir sind froh, dass Christoph 18 im Landkreis stationiert ist und von einer so hervorragend aufgestellten Truppe bedient wird. Den Vorteil dieses Rettungsmittels kenne ich auch aus meiner eigenen Erfahrung bei Einsätzen als ehrenamtlicher First-Responder". Der innenpolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion Holger Dremel, MdL wertet die erwartbare höhere Verfügbarkeit positiv: „Die Studie zur Überprüfung des Nutzens der Ausweitung der Randzeiten wurde über die Fraktionsinitiative der CSU/FW auf den Weg gebracht. Dank des Nachweises kann die Luftrettung künftig die Rettungskette noch besser stärken." Den Dank aller Redner erhielt neben den Luftrettern ausdrücklich die gesamte Blaulichtfamilie der Region, welche durch zahlreiche Vertreter der Rettungsorganisationen beim Besuch vertreten war.
Rettungsdienstbereich Würzburg: Spitze in Bayern
Paul Justice, Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Würzburg (ZRF), hob hervor, dass der Rettungsdienstbereich Würzburg zu den leistungsstärksten in ganz Bayern zähle. Die hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten – von den Luftrettern über die Besatzungen der RTW bis hin zur Leitstelle bei der Berufsfeuerwehr – sei ein entscheidender Erfolgsfaktor. Der Vorsitzende des ZRF, Landrat Thomas Eberth zeigte sich stolz: „Die geplante Erweiterung bringt einen deutlichen Mehrwert für alle Bürgerinnen und Bürgern bei medizinischen Notfällen in der Region"
Notarzt und leitender Oberarzt der Universitätsklinik Würzburg, Dr. Christian Markus, unterstrich die medizinische Bedeutung: „Das Universitätsklinikum Würzburg ist als einziger Maximalversorger der Region und überregionales Traumazentrum für viele schwer verletzte und kritisch kranke Patientinnen und Patienten die entscheidende Zielklinik. Eine leistungsfähige Luftrettung ist deshalb unverzichtbarer Bestandteil moderner Notfallmedizin – gerade für die Menschen im ländlichen Raum. Die geplante Randzeitenerweiterung bringt universitäre Spitzenmedizin künftig noch länger und schneller zu den Menschen.“
Christoph 18 absolvierte im Jahr 2025 insgesamt 1.942 Einsätze von Ochsenfurt aus – und gehört damit zu den meistgefragten Rettungshubschraubern Bayerns. Mit der Randzeitenerweiterung wird dieser Einsatzbereich künftig noch verlässlicher abgedeckt – zum Wohl aller Menschen in der Region.