Kinder, die hier betreut werden, kommen nicht allein aus Lohr. Sie stammen aus dem gesamten Landkreis Main-Spessart – ein Umstand, der das Modell erst recht unverzichtbar macht. Schulleiterin Jessica Müller, Schulrätin Karin Auth, Klassenlehrer Jonas Spies empfingen 1. Bürgermeister Rieb, Schwab und Jungbauer, der im Ausschuss für Bildung und Kultus des Bayerischen Landtags sitzt, um das Konzept der FIT-Klasse kennenzulernen. Ein Angebot, das weit über die Stadtgrenzen hinauswirkt und von der Regierung von Unterfranken, dem Landkreis MSP (Jugendhilfe), dem staatlichen Schulamt und der Stadt Lohr getragen wird.
Was die FIT-Klasse leistet
„FIT steht für Flexibel, Individuell und Temporär. Die Klasse richtet sich an Grundschulkinder der Jahrgangsstufen 2 bis 4, bei denen die Regulation eigener Emotionen und das soziale Miteinander regelmäßig scheitern – und bei denen alle bisherigen Maßnahmen nicht oder kaum angeschlagen haben“, so Schulleiterin Jessica Müller. Maximal zwölf Kinder werden hier gleichzeitig betreut. Ein multiprofessionelles Team trägt das Konzept: Klassenlehrer Jonas Spies verantwortet Unterricht und Organisation, Eine Sonderpädagogin übernimmt Diagnostik und Unterricht, eine Heilpädagogische Förderlehrerin begleitet die sozial-emotionale Entwicklung in der Gruppe und eine Sozialpädagogin koordiniert die enge Zusammenarbeit mit den Familien. Das erklärte Ziel: die schrittweise Rückführung jedes Kindes in seine Stammklasse.
Jungbauer: „Kein Kind soll zurückgelassen werden"
Für Jungbauer ist der Besuch mehr als ein protokollarischer Termin. Als Bildungspolitiker weiß er, was auf dem Spiel steht: „Kein Kind soll zurückgelassen werden – eine bestmögliche Förderung spart am Ende Folgekosten." Der Abgeordnete sieht im Lohrer Modell ein Beispiel, das Schule machen sollte: ein verzahntes Team, enge Elternarbeit, klare Strukturen und eine realistische Perspektive für jedes einzelne Kind.
Auch sein Kollege Thorsten Schwab, der als 1. Bürgermeister von Hafenlohr und stellvertretender Vorsitzender des Schulverbands Mittelschule Marktheidenfeld die Schulrealität im Landkreis aus eigener Erfahrung kennt, ließ keinen Zweifel an seiner Haltung: „Eine Klasse wie diese ist keine Randerscheinung – sie ist ein unverzichtbarer Baustein für die Bildungsgerechtigkeit im ländlichen Raum. Wer sieht, was dieses Team hier täglich für die Kinder und ihre Familien leistet, versteht sofort, dass wir dieses Angebot nicht gefährden dürfen."
Doch die Begeisterung der Abgeordneten trifft auf eine ernste Warnung. Bürgermeister Dirk Rieb und Schulrätin Karin Auth machen keinen Hehl aus ihrer Sorge: Der Anteil der Finanzierung der unerlässlichen Sozialpädagogenstelle durch den Landkreis ist angesichts fehlender Haushaltsmittel im Kreistag nicht gesichert. „Ein Wegfall der Finanzierung wäre nach Ansicht beider ein fatales Signal – für die betroffenen Familien, aber auch für die Bildungspolitik im ländlichen Raum“ so Dirk Rieb. Er will sich daher gemeinsam mit seinem Kreistagskollegen Thorsten Schwab für eine Fortführung des Angebots stark machen.
Schulrätin Auth richtete in diesem Zusammenhang einen klaren Appell: Flächenlandkreise wie Main-Spessart kämpfen strukturell mit der Auslastung solcher Kleinklassen. Wer ein Angebot für den ganzen Landkreis vorhält, kann nicht dieselben Auslastungsquoten erfüllen wie eine städtische Schule. Auth wünschte sich daher Unterstützung, dass Konzepte wie die FIT-Klasse nicht an Bürokratie und Finanzierung scheitern, sondern das leisten können, wofür sie da sind: Kindern eine Chance geben.
BU: Beim Besuch der Grundschule Lohr in formierten sich die beiden Landtagsabgeordneten Björn Jungbauer (rechts außen) und Thorsten Schwab (links außen) über die FIT-Klasse. Mit auf dem Bild von links: 1. Bürgermeister Dirk Rieb, Schulrätin Karin Auth, Klassenlehrer Jonas Spies und Schulleiterin Jessica Müller. Bild: Büro Jungbauer/Matthias Ernst