Gleich drei Landtagsabgeordnete mit Björn Jungbauer, Petra Högl und Thorsten Schwab suchten das Gespräch mit den Biolandbauern aus Unterfranken am geografischen Mittelpunkt der EU in Gadheim zum Erfahrungsaustausch.
Was steckt hinter Cut and Carry?
Beim Verfahren „Cut and Carry" wird Klee- oder Luzernegras auf einem sogenannten Geberfeld gemäht und gehäckselt und anschließend als hochwertiger organischer Dünger auf einem Nehmerfeld ausgebracht. Kein Kunstdünger, kein Zukauf von außen – die Nährstoffe (der Nährstoffgehalt ist ähnlich wie bei Mist von Huf- und Klauentieren) bleiben vollständig im Betriebskreislauf. Besonders für viehlose Betriebe im Ökolandbau ist diese Methode unverzichtbar: Sie sichert die Stickstoffversorgung, fördert den Humusaufbau und ermöglicht eine nachhaltige Düngungsstrategie ganz ohne externe Hilfsmittel. Darüber hinaus wirkt der Klee-/Luzerneanbau positiv auf den Wasserrückhalt in der Fläche, die Grundwasserbildung und den Humusaufbau.
Gastgeber und Biolandwirt Johannes Römert, der die Initiative ins Rollen gebracht hatte, bringt den Kern auf den Punkt: „Die Vorteile von Cut and Carry liegen auf der Hand. Nährstoffe können im Betriebskreislauf gehalten, die Notwendigkeit von externen Düngemitteln reduziert werden."
Das Problem: starre Regeln, die der Praxis nicht gerecht werden
Bislang wird „Cut and Carry"-Material düngerechtlich wie Gülle behandelt – mit einer Sperrfrist ab dem 1. Oktober. Das ist praxisfern: Der letzte Schnitt bei Klee und Luzerne fällt regelmäßig in den Herbst, also genau in den Sperrzeitraum. Dabei ist das Auswaschungsrisiko von Stickstoff bei diesem Verfahren nachweislich deutlich geringer als bei flüssigen Wirtschaftsdüngern. Eine sachliche Gleichstellung mit Gülle ist daher nicht gerechtfertigt. Andere Bundesländer sind Bayern bereits voraus: In Niedersachsen gelten für „Cut and Carry" schon heute flexiblere und praxisgerechtere Regelungen. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft begleitet das Thema parallel mit eigenen Versuchen wissenschaftlich. Landtagsabgeordneter Thorsten Schwab (CSU), Mitglied im Agrarausschuss des Bayerischen Landtags: „Neben einem sinnvollen System zur Nährstoffübertragung und zum Humusaufbau sind auch Wasserrückhalt in der Fläche und Grundwasserbildung positive Folgen dieses Modells."
Vom Ortstermin zum einstimmigen Beschluss
Der Weg von Gadheim in den Landtag ist ein Beispiel dafür, wie direkte Kommunikation zwischen Praxis und Politik funktioniert. Im Mai 2025 hatten sich auf Einladung von Johannes Römert und dem Stimmkreisabgeordneten Björn Jungbauer rund 30 Biolandwirte aus den Landkreisen Würzburg, Main-Spessart, Schweinfurt, Hassberge und Rhön-Grabfeld auf dem Biohof in Gadheim versammelt. Gemeinsam mit Vertretern u.a. der Landwirtschaftsämter, sowie dem 1. Bürgermeister von Veitshöchheim, Jürgen Götz, wurde das Thema „Cut and Carry" intensiv beleuchtet.
Petra Högl, agrarpolitische Sprecherin der CSU-Landtagsfraktion: „Die Gründe für Cut and Carry haben uns überzeugt. Wir haben die Staatsregierung daher aufgefordert, Cut and Carry nicht zu benachteiligen."
Dieser Austausch mündete nun direkt in den Antrag im Landwirtschaftsausschuss – und nun in einen einstimmigen Beschluss des Gremiums. Landtagsabgeordneter Björn Jungbauer (CSU): „Beim Austausch zwischen den Praktikern und uns in Gadheim im Mai 2025 wurde die Initiative gestartet. Aus Gesprächen wird ein Antrag – so funktioniert Politik."